Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2022/23

Das Wintersemester 2022/23 wird in Präsenz stattfinden. Die Einführungswochen finden vom 10.10. - 21.10. statt. Die Lehrveranstaltungen beginnen am 24.10.2022

Dr. Renata v. Maydell


Das Philosophenschiff: 100 Jahre Spaltung der russischen Kultur

Dienstag: 17.00 - 18.30 Uhr
BA Slavistik, MA Osteuropa: Geschichte-Medien, LA Russisch, BA/MA Edu Russisch

Lenin entschied 1922, "Russland für lange zu säubern" und wies über 200 Intellektuelle aus Moskau, Petrograd, Charkov und Kiev außer Landes. Diese erzwungene Emigration, die als "Philosophenschiff" in die Geschichte einging, war nur der Beginn einer zunehmenden Gleichschaltung und Spaltung des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens. 100 Jahre später gewinnt das Ereignis bedrückende Aktualität.
In der Veranstaltung soll eine Ausstellung konzipiert und realisiert werden. Zur Verfügung stehen Poster zu einzelnen Passagieren, die Studierende im Sommersemester erarbeitet haben, historische Film- und Fotomaterialien, Archivunterlagen etc.Die Teilnehmenden werden die Möglichkeit haben, sich stärker in inhaltlichen Bereichen (Slavistik, Geschichte) oder in der medialen Aufbereitung (LKM) zu engagieren.
Geplant ist außerdem eine Zusammenarbeit mit dem FabLab: Symbolisch kann die Ausstellung den Prozess der Zwangsexilierung aufgreifen. Studierende können Passagiere verkörpern, indem sie ihnen ihre Körper im 3D-Scan zur Verfügung stellen. Die so Wiederbelebten suchen in einer öffentlichen Ausstellung nach einer neuen Heimat: im Anschluss an die Ausstellung könnten diese eine dauerhafte Bleibe in den Wohnungen interessierter Konstanzerinnen und Konstanzer finden. 

Einführung in die slavischen Kulturen

Mittwoch: 10.00  - 11.30 Uhr
BA Slavistik, MA Osteuropa: Geschichte – Medien,  MA of Edu Russisch, LA Russisch

In der Veranstaltung werden Grundbegriffe der Kulturwissenschaft vermittelt (Diskurse, Aufschreibesysteme, Dispositive) sowie solche der Konstruktion von Kulturräumen (mental mapping: Osteuropa, Balkan, Orientalismus).
Besondere Aufmerksamkeit gilt spezifischen Diskursen und Dispositiven in Osteuropa, wie z.B. der Ikone und ihrer Tradition in der Avantgarde sowie unterschiedlichen rhetorisch und religiös geprägten Kulturkreisen (Slavia latinaslavia orthodoxaslavia islamica). Bestimmte Formen des politischen Lebens in Osteuropa, wie Messianismus (Moskau als „drittes Rom“, Polen als auserwähltes Volk) und Herrscherkult (Lenin-, Stalin-, Tito-Kult), werden mit Blick auf die jeweiligen Kulturtraditionen analysiert.
Erklärt werden verschiedene kulturelle Programme einer Vereinigung von Slaven (Slavophilentum, Panslavismus, Austroslavismus, Neoslavismus), welche die Entstehung von multinationalen Staaten, wie des russischen Reiches, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Jugoslawien, zur Folge hatten.
Ebenso werden einige wichtige nationale und transnationale Mythen und Erinnerungskulturen vorgestellt. In der Veranstaltung bleibt stets eine vergleichende Perspektive auf Ost und West im Blick.

Konzepte Osteuropas

Mittwoch: 11.45 - 13.15Uhr
MA Osteuropa: Geschichte-Medien

Diese Veranstaltung ist ein interdisziplinärer Kurs, der zusammen mit der Osteuropäischen Geschichte veranstaltet wird. Die Studierenden befassen sich mit grundlegenden Texten und Konzepten zu Osteuropa, die abschließend in einem Plenum diskutieren werden.

 

Slavistisches Forschungskolloquium

Dienstag: 15.15 – 16.45 Uhr                                                 
MA Schule - Slavistik, MA OGM, LA Russisch

Das Kolloquium versteht sich als Forum für die Präsentationen der Arbeiten und Projekte von Examenskandidaten und Promovierenden sowie für die Diskussion neuerer slavistischer, literatur- und kulturwissenschaftlicher Forschungsansätze.

Das Programm der Veranstaltung zum Download.

Dr. Mykhailo Nazarenko (Kiev)


Ukrainische Literatur vom Barock bis zur Postmoderne

Montag: 10.00 - 11.30 Uhr (online)
MA of Edu Russisch, LA Russisch, BA Slavistik

Die Vorlesung wird einen Überblick über die ukrainische Literatur vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart geben (mit einem Exkurs über die ersten Jahrhunderte ihrer Existenz). Dabei werden die sich allmählich und manchmal sehr abrupt wandelnden Vorstellungen darüber nachgezeichnet, was die Ukraine ist und ob und welche Zukunft sie hat, was die ukrainische Sprache sein kann und sollte, worüber ukrainische Autor:innen schreiben sollten und für wen. Besondere Aufmerksamkeit wird den anti- und postkolonialen Aspekten der ukrainischen Kultur gewidmet. In den meisten Sitzungen wird die Darstellung einer bestimmten Periode mit der Analyse von Schlüsseltexten (so diese in Übersetzungen ins Englische, Russische oder Deutsche vorliegen) verbunden.

Diese Veranstaltung findet in englischer Sprache und online statt.

Dr. Oksana Monteiro

 

Frauen, die schreiben. Autorinnen des 20. und 21. Jahrhunderts in Ost und West.

Donnerstag: 17.00 - 18.30 Uhr
BA Slavistik, BA / MA Edu Ru; MA OE; LA Ru; BA / MA LKM

Schreiben Frauen anders? Wir untersuchen im Seminar literarische Poetiken der schreibenden Frauen in West- und Osteuropa des ausgehenden 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts. Wie erzählen Autorinnen ihre Erinnerungen, wie verarbeiten sie Traumata?
Wie gehen Frauen mit Kunst um: ist Kunstkörper Frauenkörper? Wie schreiben die Autorinnen die Diversität ihrer Sexualität?
Wir beschäftigen uns mit und vergleichen u. a. Unica Zürn und Pussy Riots, Ilse Aichinger und Swetlana Alexijevich, Elfriede Jelinek und Oksana Vasyakina, Olga Tokarzcuk und Oksana Zabuschko. Auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Frauen haben dennoch etwas gemeinsam: sie entwickeln Erzählstrategien des Überlebens in einem totalitären System, auf der Flucht, in der Gewaltspirale von Beziehungen.

Kenntnisse von Polnisch, Ukrainisch oder Russisch sind von Vorteil aber nicht Pflicht. Sämtliche Texte sind in Englisch und Deutsch vorhanden.


Dr. Innokentij Urupin/Dr. Maria Zhukova

 

Meister der sowjetischen Filmavantgarde und Stalinismus

Donnerstag: 11.45 - 13.15 Uhr
BA Slavistik, MA-Slavistik, LA Russisch, BA/MA of Edu Russisch, MA OGM, BA LKM, 

Die sowjetische Filmkunst brilliert in den 1920er Jahren mit ihren avantgardistischen Montageverfahren und hinterlässt mehrere international einflussreiche Meisterwerke. Im Seminar wollen wir einige dieser Filme kennlernen und anschließend verfolgen, wie herausragende kinematographische Karrieren aus den 1920ern unter totalitären, stalinistischen Bedingungen evolutionieren. Von solchen Regisseuren wie Lev Kulešov, Sergej Ėjzenštejn, Aleksandr Dovženko, Dziga Vertov sehen wir uns im Seminar jeweils zwei Filme an – einen aus den 1920er und einen aus den 1930er/40er Jahren – und lesen begleitend ausgewählte Fragmente ihrer filmtheoretischen Texte. Wir fragen danach, welche Strategien sich den Künstlern angeboten haben, um avantgardistische Filmpoetiken auf die Bahn des seit den 1930ern vorherrschenden sozialistischen Realismus umzuleiten. Wir interessieren uns speziell dafür, wie die Figur Stalins filmisch inszeniert wird. Vor diesem kulturpolitischen Hintergrund werden wir auch die neue medienästhetische Situation nach dem Übergang vom Stumm- zum Tonfilm besprechen.

Die Filme werden mit deutschen oder englischen Untertiteln verfügbar gemacht.

 

Folgende Lehrveranstaltungen können ohne Deutschkenntnisse besucht werden. Dieses Angebot wendet sich vor allem auch an Studierende aus der Ukraine.

Dr. Renata v. Maydell
Einführung in die slavischen Kulturen
Mittwoch: 10 - 11.30 Uhr H 303

Das Philosophenschiff
Dienstag: 17 - 18.30 Uhr H 303

Dr. Oxana Monteiro
Frauen, die schreiben
Donnerstag: 17 - 18.30 Uhr H 304

Dr. Maria Zhukova/Dr. Innokentij Urupin
Meister der sowjetischen Filmavantgarde und Stalinismus
Donnerstag: 11.45 - 13.15 Uhr H 303

Dr. Mykhailo Nazarenko (Kiev)
Ukrainische Literatur vom Barock bis zur Postmoderne
Montag: 10 - 11.30 Uhr online

Prof. Dr. Bernhard Brehmer
Heritage Language Acquisition: Factors and Outcomes
Dienstag: 11.45 - 13.15 Uhr E 402

Ph Dr. Malinka Pila
Einführung in die Slavische Sprachwissenschaft I, Synchronie mit Übung
Donnerstag: 8.15 - 9.45 Uhr G 305
Freitag: 10 - 11.30 Uhr G 305

Sprachkontakt in nordslavischen Standard- und Minderheitensprachen
Dienstag: 10 - 11.30 Uhr G 305

Prof. Dr. Rainer Lindner
Ukraine. A History
Freitag: 10 - 13.15 Uhr D 303 / 14 tägig

Dr. Gruia Badescu
Dealing with the past: Memory and justice in Eastern Europe and Latin America 
Blockseminar